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Eine typische Führungskraft, die mit Remote-Führung überfordert ist.

Mitarbeiter gehören ins Büro!

Der provokante Titel weckt den Eindruck, dass der klassische Arbeitsplatz im Büro unersetzlich sei, um effizient zusammenzuarbeiten – eine Annahme, die jedoch bei genauer Betrachtung nicht standhält. Vielmehr zeigt sich, dass scheiterndes Homeoffice häufig weniger an den technischen Rahmenbedingungen liegt als an der Führungskultur. Eine fehlerhafte Remote-Führung führt zu Problemen, die sich nicht durch den Einsatz standardisierter Tools wie MS Teams oder einfache Videomeetings beheben lassen. Wenn in eurem Unternehmen die Zahlen fallen, sollte sich die Führung an die eigene Nase greifen und nicht die Arbeitsmoral der Mitarbeiter im Homeoffice in Frage stellen.

Ein Blick in die Welt des Gamings illustriert eindrucksvoll, wie auch ohne physische Präsenz gigantische Erfolge erzielt werden können. In virtuellen Räumen wie in Communitys, Gilden oder Clans arbeiten unterschiedlichste Menschen trotz fehlender persönlicher Begegnungen als Team zusammen – und das meist sogar ohne finanzielle Anreize. Entscheidend hierfür sind motivierende gemeinsame Ziele, verlässliche Strukturen und der gezielte Einsatz von Kommunikationsplattformen, die einen kontinuierlichen, offenen Austausch ermöglichen. Dies verdeutlicht, dass der Erfolg eines Teams weniger vom Ort als vielmehr von der Art und Weise der Führung abhängt.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Anrufen oder formellen Videomeetings bieten Tools wie Mumble, Teamspeak oder Discord einen direkten Kommunikationskanal, der dem spontanen Austausch im Büro nahezu entspricht. Diese Plattformen erlauben es den Teilnehmern, sich jederzeit in den Kommunikationsfluss einzuklinken oder gezielt in den “Mute”-Modus zu wechseln, um konzentriert zu arbeiten. Diese Flexibilität schafft nicht nur eine natürliche Atmosphäre, die informellen Social Talk ermöglicht, sondern bietet der Führungskraft auch einen authentischen Einblick in die Anwesenheit und Aktivität der Mitarbeiter. Insbesondere neue Teammitglieder profitieren von diesem ständigen, virtuellen Beisammensein, da es ihnen hilft, sich schneller in die Teamdynamik einzufinden und ein Gefühl der Zugehörigkeit zu entwickeln.

Ein konkretes Beispiel aus dem eigenen Unternehmen untermauert diese Argumentation: Das AI-Lab der eurodata AG startete vor der Corona-Pandemie mit lediglich vier Personen und wuchs während der Pandemie auf über 20 Mitarbeiter. Durch den konsequenten Einsatz von Mumble, Miro, virtuellen Kaffeepausen, regelmäßigen Teamtreffen, Pairprogramming und klaren Zielbildern sowie intensiver Führungsarbeit – unter anderem mit regelmäßigen 1:1-Gesprächen und dem gelegentlichen “Rausdividieren” der Führungskraft – gelang es, den rasanten Zuwachs erfolgreich zu managen. Dieses Beispiel zeigt, dass der Erfolg im Homeoffice maßgeblich von einer kompetenten und strukturierten Führung abhängt.

Zusammenfassend verdeutlichen die genannten Beispiele und Analysen, dass nicht der physische Ort, sondern die Führungsqualität über Erfolg oder Misserfolg der Remote-Arbeit entscheidet.

Mitarbeiter gehören ins Büro, aber nur, wenn die Führungskraft mit Remote-Führung überfordert ist. Eine klare, strukturierte Führung ist unerlässlich, um in virtuellen Arbeitsumgebungen ebenso erfolgreiche Ergebnisse zu erzielen wie im klassischen Büro.

Was denkst du? Sollte man Führungskräfte lieber endlich auf Remote-Führung vorbereiten – oder Mitarbeiter wirklich zurück ins Büro zwingen? Und: Ist die Gaming-Kultur der 2000er und 2010er nicht längst der Beweis, dass digitale Zusammenarbeit funktioniert, wenn Führung und Strukturen stimmen?